
Tagelang hatte ich mit mir gekämpft, ob ich es wagen sollte, trotz meines Trainingsrückstandes in Simmern zu laufen. Wegen einer Verletzung an der Hüfte bin ich in den letzen 2 Wochen nur sehr wenig, und wenn dann nur im " Schongang" gelaufen. Beim letzten Training am Dienstag wurde nur noch über den Hunsrück-Marathon gesprochen. Was soll schon passieren, hab ich gedacht, und entschieden mich am Sonntag noch für den Halbmarathon nachzumelden.
So nach und nach tauchen aus allen Richtungen Läufer und Läuferinnen
mit dem blauen Meddys LWT Shirt auf. Einige schauen ein bißchen ungläubig. Du läufst docSomit stand ich am Sonntag schon früh um 6:3o Uhr auf, um nach einem schnellen Frühstück ( Mist - Keine hellen Brötchen - Marmelade auf Vollkorn !) mich schon vor 8 Uhr auf den Weg nach Simmern zu machen. Dichter Nebel sorgte dabei teilweise für reichlich Blindflug. Ich kam schließlich um 8:30 Uhr an, fand auch schnell die Halle und sah schon ein bekanntes Gesicht. Unser Rudi mit Frau - " Hallo Franz, da hinten gerade aus links sind noch Parkplätze" gerne ging ich diesem Vorgang nach. An der Anmeldung traf ich Rudi wieder. "Ich habe meinen Chip vergessen" sagte er. Natürlich blöd. Ich füllte das Anmmeldeformular für den Halbmarathon aus. Chip Nr. angeben steht da - den hab ich doch am Schuh. Nachschauen - blöd keine Brille dabei! Auch dieses Problem läßt sich mit anderweitiger Hilfe schnell lösen.
Du läufst mit?
Meine alte Laufgruppe mit Helmut,Ursel, Boja, Sabine und Christa mit denen ich den 25km Lauf in diesem Jahr in Berlin sind auch da. Christa läuft Staffel-Marathon, bin mal gespannt,was sie später erzählen wird.
Wie schnell willst Du heute Laufen? werd ich gefragt. Dazu kann ich nur sagen, 6er Schnitt, schneller trau ich mich nicht - mit einer Zielzeit von ca. 2:06. Unter 2 Std. wie beim Mittelrhein-Marathon werd ich heut nicht laufen können.
Bereits ab 10.40 Uhr fahren die ersten Busse von Simmern zum Start des Halbmarathon nach Kastellaun. Dicht gedrängt ist jeder Platz in den Bussen ausgenutzt.
Wo fährt der Bus denn her, dachte ich. Das sind doch Schleichwege, durch Dörfer, deren Namen ich bisher noch nie gehört habe. Entweder fährt man über die Hunsrückhöhenstrasse oder über die A61. Aber von Kümbchen, Hasselbach und Laubach habe ich noch nie etwas gehört. Da lese ich an einer Abzweigung den Ortsnamen Horn - aha hier sind wir - und mir fällt der sog. Honiglauf vor einigen Wochen ein.
Als wir aus den Bussen am Busbahnhof in Kastellaun aussteigen, werden wir schon von Lautsprecherdurchsagen begrüßt. Der gesamte Startbereich ist abgesperrt. Auf einem LKw-Anhänger ist eine Lautsprecheranlage aufgebaut. Die bereits vor 2 Std. in Emmelshausen gestarteten schnelleren Marathonläufer passieren mittlerweile im Startbereich des Halbmarathons die 27 km Marke. Ich hatte mich bereits über die angezeigte Zeit gewundert.
Wir verbringen die Zeit bis zum Start mit dem Anfeuern der durchlaufenden Marathonis, unseren Trainer Wolfgang verpassen wir um ca. 5 Minuten verpasst. Er war zu schnell für uns. Nachdem die letzten nochmal schnell zur Toilette waren, erfolgt um 11.30 Uhr endlich der Start.
Manuela, Sonja und ich stehen beim Start zusammen in der doch dicht gedrängten Menge. Mir ist klar, dass sich dies nach dem Startschuss schnell ändert. Der Startschuss erfolgt, die Meute läuft los. Nur locker anfangen. Die ersten paar Kilometer habe ich das Gefühl wir laufen kreuz und quer durch Kastellaun, vielleicht müssen wir noch paar Kilometer "voll machen", um genau die Halbmarathonstrecke voll zu bekommen.
Sonja läuft Manuela und mir ziemlich schnell weg. Das verstärkte Tempotraining zeigt sichtbare Wirkung. Bei ihr merkte man doch das in den letzten Wochen verstärkte Tempolauftraining. Während ich gemütlich durch den Wald lief, hat sie auf dem Sportplatz oder der Wasserwerksrunde Tempo gebolzt. Dies muss sich ja irgendwann auszahlen.
Manuela und ich laufen konstant unseren 6er Schnitt, bis ich sie an einer Wasserstelle verliere. Ich lasse mir beim Trinken Zeit. Bleibe sogar stehen. Irgendwie habe ich wenig Motivation Gas zu geben, um sie einzuholen.
Die Hitze macht mir doch einiges zu schaffen, obwohl ich mir regelmäßig den Schwamm über dem Kopf ausdrücke. Als mal für paar Sekunden die Wolken die Sonne zurückhält, höre ich den spontanen Ausruf hinter mir " Ich liebe die Wolken". Wir haben bereits seit einiger Zeit den Schinderhannes Radweg erreicht und die vorhin noch relativ nah zusammen laufende Schar hat sich doch ganz schön ausein andergelaufen. Die Abstände werden größer. Manuela sehe ich noch geraume Zeit vor mir her laufen, irgendwann ist sie weg.
Leider kann ich die Ortschaften nicht auseinanderhalten, die wir durchlaufen. Angenehm überrascht bin ich von der Begeisterung, die uns von den Zuschauern überall entgegengebracht wird. Wo kommen denn die ganzen Leute her? Für einen Landschaftslauf, den man oft alleine laufen muß, ist hier wirklich was los. Da steht eine Frau neben der Strecke mit einem Wasserschlauch. Bitte nicht ! Vor 2 Jahren in Spay war ich so leichtsinnig, und habe mich anspritzen lassen. Die rechte Seite war anschließend inklusive meiner Laufschuhe total nass. Nicht empfehlenswert, wenn Du in diesen Schuhen noch fast 15 km laufen möchtest.
Den Radweg geht es für meine Begriffe mehr hoch als runter. Trotzdem komme ich relativ locker mit meinem 6er Schnitt weiter. Der Puls ist in Ordnung. Ich fühle mich noch gut. Gott sei Dank. Die Grundausdauer ist gottseidank noch da.
Da sehe ich plötzlich auf der linken Seite, Michael, den Ehemann von Heidi, er hat heute den Job Bilder von den Vereinsmitgliedern zu machen. Eine Supersache. Ich habe zwar meine Kamera dabei, habe aber heute keinen Nerv während des Laufens zu fotografieren. Deine Frau kommt gleich hinter mir, rufe ich ihm zu.
Weiter gehts. Beim Laufen suche ich mir immer jemanden, der mein Tempo läuft. Wenn man längere Zeit im gleichen Tempo nebeneinander her läuft, kommt man fast immer mit jemand ins Gespräch.
Ich laufe neben einer Frau Anfang 40, und habe diesmal den Eindruck, dass jemand den Spieß umkehrt, und sich an meine Fersen heftet. Gutes Tempo? frage ich neugierig. Es ist mein erster Halbmarathon, sagt sie. Sie überlegt, ob Sie mich duzen oder siezen soll. Läufer duzen sich, sage ich. Leider muß ich mich von der angenehmen Begleitung bald verabschieden, da ihr das Tempo auf Dauer zu schnell ist.
Die nächste Getränkestation naht in Alterkülz, es sind noch ca. 7 km zu laufen. Ich reiße mir mit den Zähnen einen Energiegel auf , und sauge das süße Zeug ein, bevor ich von Helfern einen der vielen roten Wasserbecher gereicht bekomme. Einen Becher trinken, einen weiteren über den Kopf. Sieht ja witzig aus, wenn Helfer die roten Becher aufsammeln, und wie lange Stangen vor sich her tragen. Die Zuschauer, die am Rand der nur paar Meter breiten Strecke stehen, feuern die Läufer mit viel Enthusiamus an. Mich persönlich motiviert das, ich bin kein Fan von stundenlangen, einsamen Läufen gegen die Uhr.
Es geht immer weiter den Schinderhannes Radweg auf der alten Bahntrasse Richtung Simmern entlang. Wir erreichen eine Straßenüberquerung, die von Polizisten abgesichert sind. Da sehe ich ca. 50 m vor mir einen großen Krankenwagen mitten auf der Laufstrecke. Mir schwant sofort übles. Tatsächlich liegt ein Läufer vor dem Wagen und wird von 3 Sanitätern betreut. Ich sehe nur, dass er an einer Sauerstoffmaschine angeschlossen ist, dann bin ich vorbei. Mit sehr gemischten Gefühlen laufe ich weiter. Was wird da wohl passiert sein, schießt mir durch den Kopf. Er ist bestimmt viel zu schnell angelaufen, hat sich übernommen, hat er vielleicht zuwenig getrunken. Alle diese Gedanken gehen einem dann durch den Kopf.
Die Ortschaft Neuerkirch wird erreicht. Ich spüre langsam meine Beine schwerer werden. Es sind nicht mehr viele Läufer zu sehen. Das Feld hat sich weit auseinander gezogen.
Ich schaue nach vorne, ob ich nicht vielleicht Manuela, oder andere Vereinsmitglieder vor mir sehe, und aufschließen kann. Dies würde meiner Motivation gut tun. Es kommt keiner von vorn, wie man beim Radrennfahren sagt. Sie scheinen alle noch ganz gut drauf zu sein.
Die letzte Getränkestation in Keidelheim, auch Cola wird angeboten, was ich dankend annehme.
Was ist mit Endspurt? Bei Kilometer 20 sehe ich auf einmal einen Tunnel vor mir. Dieser ist nur sehr kurz. Scharf rechts rum, dann gehts einen kurzen giftigen Anstieg hoch. Jetzt merke ich, dass ich ziemlich fertig bin. Ich gehe sogar paar Meter, werde dann aber sofort wieder von
anderen Läufern angefeuert, nicht nachzugeben.
Dann geht es gottseidank Berg runter über einen Kreisverkehr Richtung Ziel - dem Schlossplatz in Simmern. Noch paar nicht enden wollende Meter bis zum Ziel, dann ist es vollbracht!
Meine Zeit sagt 2:07, so ganz habe ich den 6er Schnitt nicht durchgehalten, ich bin aber trotzdem zufrieden. Als Belohnung gibt es erstmal alkoholfreies Bier, ziemlich ungewöhnlich, man ist ja als Läufer auf Erdinger alkoholfrei abonniert.
Links zu Fotoalben: http://picasaweb.google.com/franz.broschart/HunsrCkMarathon2007



