31 Oktober 2008

Halloweenlauf in Kobern-Gondorf


Wenn ich irgendwann daran zurück denke, werde ich mich wohl eher an eine Karnevalsveranstaltung mit einem 10 km Lauf erinnern als an eine typische Laufveranstaltung.

Entsprechend anders waren auch die Vorbereitungen. Was für ein Kostüm ziehe ich an?
Halloween – das heißt Hexen, Magie, Gothic, Horror, von allem ein bisschen. Und dementsprechend kamen auch Meddys Läufer und Walker als Hexen, Teufeln, Vampire, oder wie meine Wenigkeit zumindest mit viel Blut und Lippenstift im Gesicht aus allen Richtungen nach Kobern-Gondorf angereist. Als Bewaffnung hatten wir Utensilien dabei, wie Zauberstäbe, Zauberbesen z.B. ein Nimbus Zweitausend oder ein Sauberwisch Sieben (Harry Potter lässt grüßen!), Dreizack u.ä.

Vereinzelt gab es auch Vampire, die passten allerdings nicht so zur Karnevalsstimmung, weil die nicht lachen dürfen. Passt wohl nicht zur Optik!

Ich kam mit dem Auto von der anderen Moselseite und musste mich zunächst durch dunkle Strassen in Richtung zur vermeintlichen Ortsmitte durchkämpfen. Da sah ich einen Feuerwehrmann und kurbelte die Scheibe runter. Er schaute mich bisschen seltsam an, auf Grund meines Outfits zeigte er mir dann aber freundlicherweise einen schönen Parkplatz direkt an der Mosel.

Und dann ging ich dorthin, wo die Beleuchtung am hellsten war, nämlich an Start und Ziel am Marktplatz. Dieser befand sich mitten zwischen alten Fachwerkhäusern in einer wirklich romantischen Umgebung. Da es bereits 19.30 Uhr war, lief die Veranstaltung schon auf Hochtouren, obwohl der Hauptlauf über 10 km doch erst in 1 Std. startete.

In der einige Strassen entfernten Halle war dann bereits die Hölle los, im wahrsten Sinne des
Wortes. Teufel, Hexen, Vampire, Fledermäuse, und ähnliche Herrschaften. Bilder sagen mehr als tausend Worte, deshalb schaut Euch die Fotos an.

Schlließlich standen wir bereits 10 Minuten vorher am Start. Wer ist denn die Rothaarige neben Bernhard, Meddy? Sonja konnte man bei Ihrem Hexen-Outfit eigentlich nur an Ihrem Gang erkennen. Komischerweise haben mich alle sofort erkannt. Versteh ich überhaupt nicht!

Die Start-Zeremonie war wirklich fast wie beim Köln-Marathon, nur paar Leute weniger.
Aber da der Platz kleiner war, erschien es einem so, als wenn man bei einer Großveranstaltung startet, die gute Akustik und die doch witzige Moderation der Organisatoren ließ keine Wünsche offen.

5-4-3-2-1 Auf geht’s in die dunklen Straßen von Kobern-Gondorf. Alle unsere Hexen, hierzu gehörten Antje, Anke, Sonja, Manuela, Martina hielten ihre Hexenhüte fest, und los!

Alles nur für Fun. Heute laufen wir alle nicht unter 1 Std. - ich sage, lass uns laufen wie in Medoc. Aber hier fehlen die richtigen Getränke unterwegs. Nach ungefähr 500 m geradeaus weichen wir von der Strasse rechts ab, ca. 50 m den Berg hoch, dann geht’s
wieder Richtung Ortsinnere zurück, und nach zwei 90 Grad Bogen wieder Richtung Ausgangspunkt. Die Runde ist 2,5 km lang, die 4 x durchlaufen werden. Im Dunkeln habe ich mal wieder vergessen, meine Uhr das zweite Mal abzudrücken. Mitzählen ist mir zu blöd.
Mir wird schon einer sagen, wann die letzte Runde beginnt.

Unser Trainer Wolfgang ist der einzige von uns ohne das richtige Outfit zum Halloween. Er muss ja auch arbeiten d,h. vorrennen und dann von uns Fotos machen. Hab ich allerdings nur einmal mitbekommen.

Der Schlappschritt wird mir langweilig, und so lasse ich mich von Wolfgang verleiten, mal einen kurzen Zwischenspurt einzulegen. Mir macht der Lauf auf einmal richtig Spass, und ich habe plötzlich keine Lust mehr langsam hinterherzulaufen. Nennt man das Wettkampffieber? Da kann man noch so viele Vorsätze am Anfang haben! Die Strecke bietet
sich gut an, man kann sich auf dem Gefällestück zur letzten Kurve vor der langen Zielgerade
ausruhen, um dann wieder richtig Gas zu geben.

Lange Rede, kurzer Sinn. Mit für meine Verhältnisse beschleunigtem Tempo komme ich einige Sekunden vor meinen Hexen im Ziel an, die laufen heute locker und flockig unter tosendem Beifall der Zuschauer ins Ziel. Alle haben noch Ihre Hüte auf.

Welche Zeit? Keine Ahnung! Die Hauptsache im Ziel gibt’s Erdinger.
Vielleicht bin ich ja auch Persönliche Bestzeit gelaufen – und weiß nichts davon!

Dann geht’s sofort in die Halle. Stimmung erinnert mich ein bisschen an Apres Ski –
Ich meine damit Karnevalstimmung außerhalb des Karnevals. Die Siegerehrung zieht sich und zieht sich. Interessiert uns weniger, weil gute Musik und super Stimmung innerhalb unserer Superhexen ( auch Vampire wie Andrea und Dirk) dafür sorgen, dass wir richtig feiern können. Die einen feiern mit Bier, andere mit Kaffee und Kuchen ( da gehöre ich dazu),

Dann fangen wir auch noch an zu tanzen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt haben wir alle
vergessen, dass wir bei einer Laufveranstaltung sind. Martina spielt Luftgitarre, ich wage ein Tänzchen mit Anke, dann wird Square –Dance gemacht, an der alle beteiligt sind. Und dazu wird sogar noch gesungen. Ich glaube jetzt kann sich jeder vorstellen, was da abging.

Was machen die eigentlich da vorne auf der Bühne? Da erzählt plötzlich jemand, ihm würde es sehr leid tun, er bekäme nur leere Blätter, er hätte keine Ahnung über Ergebnisse irgendwelcher Art. Unsere Hexen nahmen das sehr gelassen hin. Wolfgang nicht. Sind wir jetzt die stärkste Gruppe oder nicht? Wir wollen die neun Kisten Bier, die haben wir uns
wirklich verdient!

Die Frage ist bis heute noch offen, bei welcher Gelegenheit wir diese trinken!

12 Oktober 2008

Marathon "Rund um den Baldeneysee"



Martin Grüning, stellvertretender Chefredakteur von Runners World hält die zwei Runden um den Baldeneysee in Essen für die schnellste Marathonstrecke, die er je gelaufen ist, trotz Teilnahmen in Berlin und Chikago (Runnersworld 1/2008.

Es ist ein echter Marathon, ohne Schnickschnack wie Halbmarathon, Skating, oder Walking. Hier konzentriert man sich auf das Wesentliche. Die schnellsten deutschen Läufer laufen hier seit vielen Jahren, weil sie hier Chancen haben zu gewinnen, wie z.B. Carsten Schütz 2003 2:14:56, Stefan Koch 2007 2:17:17. Dieses Jahr startet als deutscher TOP-Läufer Tobias Sauter, der auch den Mittelrhein Marathon 2008 gewann.

Start ist am Sonntagmorgen 10 Uhr. Fahre bereits um 8.15 Uhr in Bochum los, und gebe die Adresse des Parkplatzes im „ Navi“ ein, „ Freiherr vom Stein Strasse“ in unmittelbarer Nähe des Regattahauses des Baldeneysees. Ich bin in einer halben Stunde am Start. Da ich sehr früh bin, kann ich in unmittelbarer Nähe des Startes mein Auto abstellen. Der Start ist nur 200 m entfernt. Keine lange Lauferei. Optimal, wenn Du noch was vergessen hast. Abgabe eines Kleidersackes ist damit nicht notwendig.



Ich habe noch etwas Zeit und mache einen kleinen Morgenspaziergang am See entlang zum Regattahaus. Der See liegt noch im Morgennebel. Es ist ca. 11 Grad und angenehm kühl. Nachdem ich den stimmungsvollen Anblick des Sees fotografisch festgehalten habe, gehe ich kurz über die Marathon-Messe vor dem Regatta Haus. Ich bin zu früh. Noch nicht mal der Kaffee ist fertig.

Dann geh ich zurück zu meinem Auto, welches sich plötzlich mitten im Starttrubel befindet. Der Straßenbereich zwischen den parkenden Autos ist der Startbereich, unterbrochen durch ein Dutzend Dixie-Klos. Schnell ist die Strasse voll mit Läufern. Aus den Lautsprechern beschwert sich jemand darüber, dass man doch unterlasse solle, dauernd über die Startmatten zu laufen, die Piepserei würde auf die Nerven gehen.

Es sind noch wenige Minuten zum Start. Im letzten Moment habe ich mich entschieden außer Gels auch 3 kleine Flaschen Buffer im Getränkegurt mitzunehmen. Es ist kein Halbmarathon.

Ich habe immer noch gehörigen Respekt vor der langen Marathonstrecke.
5-4-3-2-1- es geht los. Auf separate Startblöcke wird verzichtet, sind auch nicht notwendig. Lediglich kleine Schilder mit Richtzeiten weisen auf eine angemessene Startposition. Dort stehen dann auch Brems- und Zugläufer für alle Zeiten zwischen 2:59 h und 4:45 h.

Nach 3 km am Waldesrand an der Strasse entlang führt die Strecke über die Ruhr in den Stadtteil Essen-Werder. Nach einem weiteren Kilometer sind wir schon wieder an der Neukircher Schleuse am See, und sehen über den See hinweg den Zielbereich am Regattahaus. Der Himmel ist bewölkt, über dem See steigt so langsam der Nebel auf. Irgendwie eine fantastische Atmosphäre.
Bei km 5 habe ich eine Zwischenzeit von 29:47, das ist in Ordnung. Ich will versuchen einen konstanten 6er Schnitt durchzulaufen. Das sollte für eine Zeit im Bereich 4:20 Std. reichen.

Im Moment genieße ich nur die Landschaft, den See, die bunten Herbstbäume, die in allen Farben schillern. Ab und zu kontrolliere ich die Geschwindigkeit, alles im grünen Bereich!

Bei km 12 geht es über die Ruhr. Damit die Marathonstrecke von 42,195 km erreicht wird, ist nach der 1. Runde eine Wendepunktstrecke auf der halbseitig gesperrten B227 eingebaut. Entlang der Strecke werden die Läufer von Schulkindern mit lauten Trommeln angefeuert.

Bei km 18 geht es wieder durch anliegende Waldstücke entlang bis zum See, den wir kurz vor der Halbmarathondistanz erreichen. Ich laufe z.Zt. noch uhrwerkmäßig, wie Sonja in Paris, Zwischenzeiten 10 km – 59,52 , 15km - 1:30, 20 km – 2:00, HM 2:07. Voll im Plan!

Die zweite Runde ist eingeläutet. Sie ist bis auf die Wendepunktstrecke mit der ersten Runde identisch. Mittlerweile ist die Sonne aufgegangen, und ich bin froh über reichlich Schatten zwischen den Bäumen.

An den 8 Verpflegungsstationen gibt es nichts auszusetzen. Es werden angeboten Wasser, Iso, Tee (warm), Cola und Bananen. Besonders auf warmen Tee stehe ich besonders. Was ich sonst noch nirgendwo erlebt habe .Es werden an jeder Verpflegungsstation Schwämme verteilt, und nach Gebrauch wieder eingesammelt.

Wegen des schönen Wetters befinden sich auf der gesamten Laufstrecke vor allem im Bereich der Verpflegungsstationen für einen Landschaftslauf eine Unmenge Zuschauer, die begeistert alle Läufer anfeuern. Auf der ganzen Strecke verteilt befinden sich sog. Aktionspunkte mit kleineren Musikgruppen. Man spürt deutlich die lange Tradition dieses Laufes, er wird seit 1968 bereits zum 41. Mal ausgetragen.

Km 30 ist erreicht. Es geht noch. Aber ich spüre so langsam, dass einige Muskeln anfangen zu rebellieren. Ich versuche weiterhin das Tempo konstant zu halben, konzentriere mich darauf bei den Verpflegungsstationen regelmäßig mit dem Wasser oder Tee auch die Energie-Gels zu mir zu nehmen, ebenso zwischendurch die Buffer.Auch bei km 35 kann ich meine Planzeit mit 3:30:50 noch einhalten.

Ich merke, dass immer mehr Läufer vor mir gehen, die ich jetzt überhole, die der „Hammer“ richtig erwischt hat. Bei mir hat er erst mal leise angeklopft. Je mehr es in Richtung Ziel geht, merke ich, dass der Puls unaufhörlich ansteigt. Die Beine schmerzen immer mehr. Nur nicht stehen bleiben, dann kann ich vielleicht keine Energie mehr aufbringen, um wieder loszulaufen.

Km 39, noch 3 km. Da ist noch ein sog. Aktionspunkt. Da steht einer mit Mikrofon und kommentiert für die zahlreichen Zuschauer das Spektakel „ Und diese Läufer können es noch schaffen unter die 4:30 Grenze zu laufen.“ Ich glaube, ich spinne. Habe ich mich so verrechnet?
Per Zeichensprache gebe ich zu verstehen, dass ich nicht seiner Meinung bin, nach meiner Rechnung müsste ich zumindest unter 4:20 bleiben können, wenn ich nicht massiv einbreche. Und es ist nicht mehr weit. Das wäre doch gelacht, wenn ich die paar Kilometer nicht durchhalte.

Die letzten beiden Kilometer sind die schwersten. Endlich haben wir das Regattahaus erreicht. Ich laufe am See an der voll besetzten Tribüne entlang. Wo ist denn endlich das Ziel? Man kann es nicht sehen. Die Strecke macht einen 180 Grad Bogen um das Regattahaus, dann geht’s auf einer Aschenbahn die letzten Meter Richtung Ziel. Als ich das Ziel sehe, steht auf der Uhr 2:19:40 und die Uhr läuft. Das müsste doch nettozeitmäßig klar unter 2:20 Std.sein.
Und das war es dann auch. Hochzufrieden taumele ich ins Ziel, muss mich erst mal irgendwo festhalten.

Tobias Sauter ist seit 2 Stunden mit 2:18.24 im Ziel! Bestzeit! Ich habe knapp 2Stunden länger gebraucht: 4:18:55. Aber ich habe mein Ziel, die persönliche Bestzeit erreicht!
Weitere Infos und Bilder:

05 Oktober 2008

Halbmarathon op Kölsch


4:50 aufstehen, ich habe den Wecker meiner Uhr auf 5 Uhr gestellt. Der Zug nach Köln fährt um 6:07 Uhr. Eigentlich sollte man meinen, genug Zeit um alles zu ordnen. Nur ja nichts vergessen? Hab ich den Chip am Schuh? die Gels eingepackt? Die Pflaster auf der Brust? Noch einen heißen Kaffee, ein bisschen rumgetrödelt und .
Plötzlich ist es 10 vor sechs Uhr. Ab in die Schuhe! Ich krieg echt Panik und mache schon einmal ein kleines Intervalltraining bis zum Bahnhof.

In der großen Eingangshalle stehen Andrea, Dirk und Martina. Wir haben auf Dich gewartet! Wo sind denn die anderen? Sind schon am Bahnsteig. Allen voran Ilja, der nicht müde wird, uns klarzumachen, dass wir im richtigen Zug sitzen und das wir in Köln am Hauptbahnhof wieder aussteigen müssen. In Köln angekommen geht ein Teil der Truppe um Meddy und Bernhard zu Fuß über die Deutzer Brücke zur Marathonmesse in den Rhein-Goldhallen.
Martina meint: Wir fahren mit der s-bahn. Find ich eine gute Idee. Wir laufen noch genug heute. Wenn die uns erwischen, wir haben doch keine Karte, das kostet 40 €, meldet sich Ilja. Wir fahren doch nur eine Station, nur über die Brücke, außerdem ist heute Marathontag, da kontrolliert keiner. Zugegeben, viel schneller als die Fussgänger sind wir nicht im Eingangsbereich der Messe. Und tatsächlich finden wir die anderen wieder, und es beginnt der Stress.
Was ziehe ich an? Nehme ich den Fotoapparat mit? Wenn ich ihn in die Hosentasche stecke, zieht es mir die Hose runter. In der Hand halten habe ich keine Lust, außerdem ist draußen ein Scheißwetter, das gibt keine schönen Bilder. Also ab in den Kleidersack. Dann gehe ich allen auf den Wecker, weil ich wieder meine Trinkflasche zu Hause vergessen habe. Nachdem ich den Kleidersack abgegeben habe, schlage ich Nico vor, draußen noch einen Kaffee zu trinken. Das muss reichen, ist ja schließlich nur ein Halbmarathon. Ein Espresso als Startergetränk. Feine Sache!

Heute ist Premiere für den ersten Wettkampf, den ich im wahrsten Sinne als einen kurzen „langen Lauf“ bestreiten will, d.h. kein Zeitziel, und langsamer als im Marathonrenntempo. Das ganze als Vorbereitung für die Teilnahme am ältesten Marathon Deutschlands in Essen in acht Tagen. Im Startbereich treffe ich Uli und biete ihm an mit ihm zu laufen. Er will so um die 2:15 laufen. Das passt.

Es ist wie immer vor dem Start in Köln. Kölsche Musik und Super-Stimmung am Start, besonders unter der ersten Brücke, noch vor der eigentlichen Startlinie. Ca. 10.000 Starter nur beim Halbmarathon. Da dauert es doch sehr lange, bis alle ihre Uhr abgedrückt haben. Dann geht es über die Deutzer Brücke Richtung Innenstadt. Von hinten taucht plötzlich Nico auf, und läuft locker neben uns her. Er macht es heut gemütlich, sei diese Woche schon 1:46 gelaufen, meint er. Schon ist er wieder weg.

Das interessante an der Strecke in Köln ist, dass man sehr oft auf der Gegenseite entweder die Läufer, die vor einem liegen, als auch die weiter hinten líegen, sehen kann. Alle paar Minuten hört man jemanden rufen, der Bekannte auf der anderen Seite entdeckt hat. Die längste Schleife ist von km 12,5 bis km 17 km . Im Bereich sind auch die meisten Zuschauer, die trotz des unfreundlichen Wetters für gute Stimmung sorgen, und alle Läufer begeistert anfeuern. Mittlerweile laufe ich alleine, weil Uli ein Dixie aufsuchen musste.
Es ist jetzt keiner mehr bei mir, der mich anhält langsam zu laufen. Ich muß mich wirklich beherrschen nicht das Tempo zu erhöhen, besonders wenn jemand mich überholt.

Da lauft ein Läuferpaar vor mir in einem Siegener Vereinstrikot, das mich an den Berlin Marathon erinnert. Hallo, kennt Ihr Ute? Klar, kennen wir. Ist bei uns im Verein. Wir laufen
in 14 Tagen in München zusammen. Heute ist für uns auch ein Trainingslauf. In Berlin waren wir auch. Die Läuferwelt ist wirklich klein.

Die zwei sind doch ein bisschen zu schnell, und sie verabschieden sich in Richtung nach vorne. Ich will bis km 18 nicht schneller als 6er Schnitt laufen. Zwischendurch kommen
Andrea und Nico an mir vorbei. Wieso sind die noch hinter mir?+ Die laufen doch viel schneller? Bruttozeit? Nettozeit? Ist mir echt zu hoch!

Bei km 16km seh ich zwei blaue Meddys LWT Trikots vor mir. Bernhard und Meddy laufen in lockerem Tempo, dem ich mich gerne anschließe. Bei km 18 dachte ich, das ist mir doch zu langsam, es ist ja nicht mehr weit. Fragte Bernhard, als einer unserer Vereinstrainer, ob es für meine Marathonvorbereitung schlecht wäre, bis ins Ziel nun schneller zu laufen. Lauf schneller, nur keinen Sprint. Gesagt getan, es war wie eine Befreiung.

Von 6.30 Schnitt auf 5:30 beschleunigt, und dann locker die Deutzer Brücke hoch. Der letzte Km! Im Zieleinlauf Super Stimmung. Ich höre meinen Namen. Da steht Marcus mit Kamera in der Hand. Ich bleibe fast stehen, damit er ein Foto machen kann. Endlich mal ein Bild von mir im Ziel, wo ich nicht total platt aussehe. Im Ziel drücke ich die Uhr. 2:08 Std. Die Zeit spielt heute für mich keine Rolle. Jedem, der immer nur auf Bestzeiten aus ist,
sollte gelegentlich einen solchen Wettkampf ohne Ambitionen machen – es kann ein schönes
Erlebnis werden.

Nach kurzem Aufenthalt in der Verpflegungszone, mit Schmalzbrot, Fleischwurst und Blutwurst, sowie Red Bull gestärkt ( zugegeben komische Zusammenstellung) ziehe ich es
vor, möglichst schnell aus den nassen Klamotten zu kommen. Habe keine Lust mich jetzt
noch zu erkälten. Nachdem ich dann schließlich wieder trockene Sachen anhabe, bekomme ich wieder Appetit. Vor der Messe an den Ständen treffe ich schließlich Andrea und Dirk. Beide berichten mir begeistert von ihren neuen Bestzeiten. Wegen des schlechten Wetters entscheiden wir uns dafür, uns nicht lange aufzuhalten, und wollen über die Deutzer Brücke zu Fuß zum Bahnhof. Zwischendurch im Startbereich noch ne Bratwurst und ein Kölsch. Mußte sein! Auf der Brücke kommen uns die Skater entgegen. Arme Schweine! Es regnet. Die Straßen sind glatt. Der Wind ist heftig. Schlechter kann das Wetter für Skater kaum sein. Läufer sind noch keine zu sehn. Wir versuchen über die Domplatte zum Bahnhof zu kommen. Der Wind ist so heftig, dass wir Probleme haben von der Stelle zu kommen. Bevor unser Zug fährt, wollen wir noch die Spitzenläufer des Marathons sehen. Vor Wind und Regen geschützt stehen wir vor einer Bäckerei und beobachten die ersten fünf Spitzenläufer, allesamt Kenianer, mit verbissenem Gesicht dem Ziel entgegenlaufen. Dann haben wir die Schnauze voll, und wollen ab nach Hause.

Ist ja kein Problem. Sollte man annehmen. Aber Andrea und Dirk haben noch keine Fahrkarte, und der Zug fährt in 10 Minuten. Man sollte meinen genug Zeit, um sich am Automat noch Karten zu ziehen. Nicht bei der Deutschen Bundesbahn! Eine Karte für Andrea klappt noch. Danach weigert sich der Automat die uns noch zur Verfügung stehenden Geldscheine anzunehmen. Dann hat Dirk die Nase voll. Ich fahr ohne Karte. Gesagt getan. Als die Schaffnerin dann im Eisenbahnabteil auftaucht, schafft er es mit Charme und Diplomatie, eine Karte nachzulösen. Diese Bimmelbahn braucht fast 2 Stunden. Da können wir ja auch beim nächsten Mal fast laufen. Dat woret. Halbmarathon op kölsch.