29 November 2008

Blumensaat-Gedächtnislauf in Essen


Eigentlich hatte ich gedacht, Saison ist zu Ende -  Beine hochlegen – locker trainieren – und dann paar kleinere Läufe wie Runden„abknipsen“ in Bell in der Eifel ohne jeden Wettkampfstress.  Und dann zum Abschluss bei Wind, Regen, Schnee oder Matsch der Silvesterlauf in Wehr.

 

Pustekuchen!  Andrea erzählte mir so ganz nebenbei, dass sie sich für einen Halbmarathon angemeldet habe. Wo? In Essen?  Am Baldeneysee?  15 Minuten entfernt von dem Wohnort meines Schwagers?  Da war es mit meiner Ruhe vorbei.  Obwohl ich eigentlich nicht besonders gerne große Umfänge trainiere, aber Wettkämpfe haben für mich einen  besonderen Reiz.

 

Wie heißt dieser Halbmarathon am Südufer des Baldeneysees in Essen -  Otto Blumensaat-Gedächtnislauf  ?  Falls es jemand interessieren sollte, wer dieser Otto Blumensaat war. Er war beruflich Buchhalter, und führte als solcher penibel ein Lauftagebuch. Danach ist er in 48 Laufjahren seit 1928 (!) 158000 km gelaufen, von 1110 Starts hat er 562 gewonnen, 113 Marathons gelaufen. Was mich am meisten beeindruckte war seine Marathonzeit: 2:36:09!  Diese Zeit lief er  1965 im Alter von 54 Jahren!

 Zurück zum Lauf.  Er fand statt am Samstag Nachmittag um 14.05. Außer mir und Andrea wollten noch Dirk, sowie Nico und Marcus von Koblenz teilnehmen.  Da ich bereits Freitag am späten Abend angereist war, konnte ich Samstag morgen noch richtig schön trödeln, währenddessen die anderen sich im dichten Verkehr  über die Autobahnen Richtung Ruhrpott  bewegten.  Natürlich kam ich als letzter in Essen-Kupferdreh, dem Startort in der Nähe des Sees an. Nach langer Suche konnte ich endlich einen Parkplatz finden, der von der Sporthalle Kupferberg, doch mehrere Strasse weit entfernt war. 

 Neben dem Halbmarathon fand noch ein 10km Lauf statt, insgesamt hatte die Veranstaltung   ca. 1000 Teilnehmer.  In der Sporthalle war alles profimäßig organisiert wie bei einem großen Marathonlauf.  Die Ausgabe der Startunterlagen war vorbildlich organisiert, und was für einen Volkslauf eher ungewöhnlich ist - es gab in der Halle eine organisierte Gepäckaufbewahrung.  Meine Vereinsfreunde hatte ich  schnell entdeckt.

  Dann ab zum Warmlaufen, Strasse rauf und runter. Fertig!  Noch fünf Minuten bis zum Start, der ungefähr 300 m von der Starthalle direkt am See erfolgte.  Ich hatte kurzzeitig von unserer Gruppe keinen mehr gesehen, aber in der Startgruppe konnte ich Andrea, auch wegen ihrer roten Haarpracht, relativ wieder finden. 

 Schnell hatten wir uns verabredet, 5:20/min  zu laufen, solange es geht.  5-4-3-2-1.  Start!

Zu Beginn war es noch sehr eng, weil auf Grund der doch hohen Teilnehmerzahl alles ziemlich durcheinanderlief und der Weg entlang des Ufers an einigen Stellen sehr schmal ist . Wir bemühten uns nach Möglichkeit am Anfang im Gedränge keine Zeit zu verlieren, wollten aber auch nicht zu schnell anlaufen.  Nach den ersten Kilometern stellten wir dann zufrieden fest, dass wir optimal im Zeitplan lagen.

 

Das Wetter, dass am Anfang des Tages nicht besonders freundlich war, wir rechneten eigentlich immer damit, dass es  regnen würde, wurde immer besser.  Es schien fast, als wenn irgendwann sogar noch die Sonne durchkommen würde.  Andrea und ich waren uns schnell einig, wir hätten vielleicht noch eine Lage weniger anziehen sollen.  Je länger das Rennen ging, umso wärmer wurde es uns. 

 Da kündigte uns ein Radfahrer bereits  den Führenden an, der uns auf der Fünf-Kilometer Wendepunktstrecke bereits entgegenkam.  Mensch, war der schnell!  Im Ziel war er später ungefähr 45 Minuten vor uns ( Endzeit  ca. 1:06:00).  Davon waren wir noch lange entfernt.

 Kurz nach dem ersten Wendepunkt nach der 5 km Marke war wieder eine Verpflegungsstation, ich wagte es kurz einen warmen Tee zu mir zu nehmen. Danach hatte ich Mühe Andrea wieder einzuholen.  Das kostete Kraft, ich muss dass endlich mal trainieren – im Lauf zu trinken – bis heute fällt mir das sehr schwer. Der Lauf zurück in die Nähe des Startes zur 10 km Marke führte direkt an Biergärten vorbei oder auch mittendurch,  in denen Leute sich das Spektakel der Läufer nicht entgehen lassen wollten, und dabei in aller Ruhe ihr Pils tranken -  oder der Jahreszeit angemessen Glühwein.  Daran wollten wir im Moment noch nicht denken.

 Auf dem Rückweg kamen uns zunächst Dirk, später Nico und Markus entgegen. Letztere sind langsamer angelaufen. Ich rechnete aber damit, dass Nico versuchen würde im letzten Dritten nochmals zu beschleunigen.

 Nach 15 km spürte ich langsam meine Beine. Meine Kondition war noch gut, die nützte aber nichts, wenn die Muskeln nicht mehr mitmachen. Sie begannen langsam zu schmerzen. Ich gönnte mir an der Verpflegungsstation eine kleine Pause, um einen Tee zu trinken, und ließ Andrea laufen.  Jetzt musste ich mein eigenes Rennen laufen.

 Da ich das Tempo bis km 19 halten konnte,   versuchte ich  nochmals zu beschleunigen,  ich sah ja Andrea immer noch vor mir. Da wollte ich mich wieder ranziehen.  Aber wie das so ist, genauso wie ich schneller lief, gab sie „Fersengeld“, sodaß der Abstand sich nur unwesentlich verkürzte. Wie vorhergesehen, kamen Nico und Markus noch von hinten herangeprescht.

 Schließlich erreichten Andrea, Nico, Markus und ich innerhalb einer Minute zwischen 1:51:47 und 1:52:28  das Ziel und freuten uns gemeinsam über das erreichte gute Ergebnis. Nachdem auch Dirk mit 1:56: 36 eine persönliche Bestzeit lief  hätten wir allen Grund gehabt dies auch gemeinsam entsprechend zu feiern.

 Da ich allerdings versprochen hatte am abend noch mit der Familie die reizvollen Weihnachtsmärkte im Ruhrpott zu besuchen, konnte ich mich allerdings nicht mehr lange aufhalten.  Schließlich gibt es noch was anderes als Bestzeiten hinterherzujagen.  Zum Beispiel Glühwein mit Schuss in der einen Hand, und in der anderen Hand eine Backfischtüte.

09 November 2008

Stadtlauf Neuwied 2008

Dieses Jahr kein Bombenalarm in Koblenz - kein Karnevalsanfang - nur das Wetter ist genauso unfreundlich wie letztes Jahr. Über Neuwied ist der Himmel dunkel, und es regnet in Strömen. Warum konnte der Lauf nicht gestern sein?

Sonja und ich beabsichtigen dieses Jahr gemeinsam die Sache anzugehen, nachdem mein erster Versuch im letzten Jahr bei Regen und Gegenwind eine gute Zeit zu laufen, leider gescheitert war. Sonja erzählte, sie wäre gerne letztes Jahr gelaufen, sie war sogar in Neuwied, aber irgendwie hätte Sie den Start nicht gefunden, und sei dann frustriert wieder heimgefahren. Wenn ich ehrlich bin, bei dem Wetter kam mir auch kurz der Gedanke wieder
kehrt zu machen, und zu Hause gemütlich die Beine hochzulegen.

Ich kenne den Weg noch vom vorigen Jahr. Auch das Parkhaus in der Innenstadt in unmittelbarer Nähe des Start- und Zielbereiches. Karte zum Parken haben wir nicht, brauchen wir auch nicht, wir fahren zum Ausgang rein, sehr praktisch.

In der Halle herrscht schon großes Gedränge. Wir müssen uns erst anmelden. „15 Euro“ so viel habe ich gerade noch dabei, Schwein gehabt, meint Sonja.

10 km Straßenlauf – Ein Lauf der Läufe um den Rhein-Wien Cup. Ca. 250 Läufer- und Läuferinnen wollen heute teilnehmen.

Einen Platz in der Halle haben wir auch schnell. Dieses Mal wird Meddys LWT nicht die stärkste Gruppe werden - mit Anke, Günter, und später noch Jens sind wir eher ein kleines Häuflein. Die gleiche Frage wie immer bei so einem Mistwetter. Was ziehen wir an? Es ist doch nur nass und nicht kalt! Und wir wollen doch heute keine 30 km laufen, sondern schnelle 10 km. Schließlich entscheiden wir uns. Ein Langarmshirt muss reichen. Keine Windjacke! Nehmen wir uns ein Beispiel an den Cracks in Singlet und Shorts!

Draußen regnet es wieder. Pudelnass kommen dauernd Läufer in die Halle. Die Bambini müssen wirklich im Regen laufen!

Als wir uns eine Viertelstunde vor dem Start warm laufen, hört es tatsächlich fast auf. Ab zum Start. Fast kommen wir zu spät. Es ist überhaupt nicht kühl. Gott sei dank, dass wir nicht mehr angezogen haben.

In der 6. oder 7. Reihe reihen Sonja und ich uns ein. Und los geht’s. Die Strecke ist ein flacher Rundkurs, der 5 x durchlaufen werden muss. Die jeweiligen Lauf-km sind optimal beschildert, so dass wir die Geschwindigkeit gut kontrollieren können. Da Sonja mit Ihrer gps-Uhr hervorragend ausgerüstet ist, fällt ihr nach 500 m schon auf: Wir sind zu schnell!

Da vorne der ältere Herr, den kenne ich, der läuft immer knapp unter 50 min, meint Sonja.
Prima, da halten wir uns mal dran. Nachdem wir das Tempo ein bisschen drosseln, laufen doch viele an uns vorbei. Haben wir uns soweit vorne aufgestellt?

Schließlich haben wir unser Tempo gefunden, und wir laufen strikt nach Vorgabe unsere Runden ( wen es interessiert 4,54/4,50/5,02/4,59/ 5,05 min/km Zwischenzeit 5 km 24,56!).

Es fängt wieder stärker an zu regnen. Macht nichts. Hauptsache kein starker Gegenwind in den Häuserschluchten.

Bei km 6 und 7 werden wir etwas langsamer. Sonja scheint nicht mehr ganz so gut drauf zu sein. Und ich habe Angst zu beschleunigen, es ist noch weit bis zum Ziel.

Schließlich, noch 1,5 km vor dem Ziel bekommt Sonja Probleme das Tempo zu halten. Sie merkt, dass es bei mir noch ganz gut läuft. „ Mach, lauf los“, kommt ihre Aufforderung. Noch ungefähr 800 m, ich verlängere die Schrittlänge und beschleunige das Tempo. Es geht tatsächlich richtig gut. Hole auch einige vor mir noch ein. Dann sehe ich auf einmal schon in Sichtweite Anke laufen, was mich dann nochmals anspornt, nochmals einen kleinen Spurt hinzulegen. Schließlich komme ich 20 sek. nach Anke ins Ziel, die mich überrascht erblickt.
So schnell hatte sie mit mir nicht gerechnet. Ich ehrlich gesagt auch nicht. Sonja kommt kurz darauf ins Ziel. Meine Zeit. Keine Ahnung. Vor lauter Aufregung wieder vergessen, direkt abzustoppen. Sonja meint: Ich habe ca. 50:40 gestoppt.

Ab in die Halle, das übliche Prozedere, Umziehen, Kaffee und Kuchen, Erdinger mit Glas abholen und Siegerehrung gucken. Sieger Sebastian Leins 33:10. Jens ist 38. mit 40:48.
Bei der Siegerehrung W60 das gewohnte Bild. Auf dem Siegertreppchen stehen die zwei Rosis. Die eine aus Weitersburg, die andere unsere Rosi von Meddys LWT. Die Rosi Schmalebach hab ich doch überholt. Die war ein ganz Stück hinter mir. Wie schnell war die? 50:39. Ich wird immer aufgeregter. Anke und ich wollen unbedingt unsere Zeiten wissen.

Aber erst kurz vor unserer Heimfahrt werden die Ergebnisse an der Wand befestigt. Ich finde mein Ergebnis nicht. Da fällt mir auf einmal Anke begeistert um den Hals. Sie hat bessere Augen als ich, oder ne bessere Brille. Du hast es geschafft! 49:48 min! 1.Bestzeit unter 50 min! Auch Sonja hat ihre alte Bestzeit unterboten, wenn auch nur um Sekunden.

Beide sind wir überzeugt, dass das gemeinsame Training in Vorbereitung der
Marathonläufe in Berlin und Essen uns in gute Form gebracht hat. Auf der Rückfahrt werden schon neue gemeinsame Pläne geschmiedet.

Letztes Jahr schrieb ich noch über die Strecke, die Strecke in Neuwied sei ziemlich eintönig.
Man fühle sich sehr schnell wie ein Hamster, der im Rad rund läuft. Wenn man ein Erfolgserlebnis hat, sieht man das wohl nicht mehr ganz schlimm.